Cooperative-Modelle in Agri 2026 — Pillar Guide: Profit-Sharing, Coop-In-Kind und LP-Coop-Strukturen für regenerative Real-Asset-Programme

von Dirk Röthig (Dirk Roethig) — Volljurist, Strukturierer, Mittelstandsfinanzierer · Stand 7. Mai 2026


Worum es geht

Wer 2026 ein regeneratives Agri-Programm in Lateinamerika, Osteuropa oder Sub-Sahara-Afrika strukturiert, steht vor einer harten Realität: Land kaufen ist tot — zu teuer, politisch riskant, kapitalintensiv, schlechte Skalierung. Wer dagegen mit lokalen Cooperative-Strukturen arbeitet, bringt drei Dinge ins Programm, die Kapital allein nicht kaufen kann: lokale Land-Rights, agronomisches Knowhow und politische Legitimität. Dafür braucht es ein Vehikel, das LP-Investoren, GP-Manager und Cooperative auf einer einzigen Cashflow-Mechanik zusammenbringt — ohne dass eine der drei Seiten am Ende leer ausgeht oder das ganze Konstrukt regulatorisch kippt.

Dieser Pillar Guide adressiert genau das: Welche drei Cooperative-Modelle sich in der Praxis durchgesetzt haben, wie die Cashflow-Mechanik zwischen LP, GP und Coop funktioniert (festes Gehalt + Boni für Coops, Bullet Y10–Y12 für LPs, AMF 2 % + 20 % Carry über 8 % Hurdle für den GP), welche Präzedenzen es gibt (REVERTE Itaú BBA Cerrado-Pasture-Restoration BRL 1,4 Mrd, Camposol Peru), wie Vertragsdokumentation, Steuerstruktur und Risikomanagement aussehen, und welche Tier-1-Anwälte so etwas in der EU strukturieren können.

Zielgruppe: Strukturierer, Anwälte, DFI-Officer, Asset-Manager und Family-Offices, die solche Vehicles aktiv bauen — nicht ein Newsletter-Publikum, sondern Profis mit LPA-Erfahrung.


1. Warum Cooperative — und nicht Land-Erwerb?

Drei harte Argumente, die jedes Investment-Komitee überzeugen:

a) Land-Tenure-Risiko. In Lateinamerika ist Land-Erwerb durch ausländische Vehikel politisch umstritten und in mehreren Jurisdiktionen (Argentinien Ley 26.737, Brasilien Instrução Normativa 88/2017 nach Lei 5.709/1971) strikt limitiert. Der ländliche Boden ist Symbol nationaler Souveränität — ein deutsches oder Schweizer SPV, das 10.000 ha kauft, ist selbst bei sauberer Title-Insurance ein politisches Ziel. Cooperative-Modelle umgehen das, weil das Land in lokaler Hand bleibt.

b) Coop-Knowhow. Die operative Performance einer Polykultur-Fläche hängt zu 80 % an drei Faktoren: Mikroklima-Kenntnis, Saatgut-Logistik und Erntehelfer-Koordination. Ausländische Manager können das nicht aus 8.000 km Entfernung steuern. Eine etablierte Cooperative bringt 20 bis 50 Jahre operatives Wissen mit — das ist ein immaterieller Asset, der sich nicht kaufen lässt.

c) Skalierung ohne Land-Erwerb. Wer 50.000 ha bewirtschaften will, müsste klassisch 200 bis 500 Mio EUR allein für Land binden. Über Cooperative-Modelle reduziert sich der Capex auf Crops, Mechanisierung, Bewässerung und Verarbeitung — typisch 30 bis 40 % des Gesamtbudgets. Der Rest geht in produktiven Working-Capital-Bedarf, nicht in eingefrorenen Boden. Genau das verlangt der DFI-Lender (FMO, Proparco, DEG, BII): Capex-Effizienz pro USD investiert.

Wer als Volljurist im Impact-Investing für Paulownia und Mittelstand-Strukturierungen arbeitet, wird die ersten beiden Punkte aus jedem zweiten DFI-Term-Sheet kennen — sie sind die Standard-Conditions Precedent für Senior-Tranchen ab 30 Mio USD aufwärts.


2. Die drei Coop-Modelle in der Praxis

In der Strukturierungs-Praxis haben sich seit 2020 drei klar abgrenzbare Modelle etabliert. Welches passt, hängt von Land-Tenure, Coop-Bilanz, DFI-Appetit und steuerlicher Heimat ab.

Modell A — Coop bringt Land + Crops als Common-Stock-Equity (In-Kind)

Mechanik. Die Cooperative übergibt Land-Rights (Long-Lease über 30 bis 50 Jahre) und stehende Crops als Sacheinlage in eine lokale OpCo. Bewertet wird durch unabhängiges Valuation-Gutachten (Cushman & Wakefield, JLL, lokale Tier-1-Bewerter wie Compañía de Tasaciones in AR oder Pamouna Brasil in BR). Die Coop hält dafür Common Stock der OpCo, typischerweise 15 bis 30 % je nach Verhandlungsposition.

Wann sinnvoll? Wenn die Coop bilanzstark ist und Eigenkapital aufbauen will — typisch in Argentinien (große Soja-Cooperativen wie ACA oder AFA) und Brasilien (Coopercitrus, COCAMAR). Steuerlich oft attraktiv, weil In-Kind-Einbringungen je nach Jurisdiktion steuerneutral möglich sind (BR Lei 9.249/1995 Art. 23).

Risiko. Die Coop wird zum Equity-Risk-Holder — bei einem schlechten Klima-Jahrzehnt verliert sie reales Vermögen. Manche Coops dürfen das satzungsmäßig gar nicht (gesetzliche Coop-Statuten in PE und CO verbieten Equity-Spiele über bestimmten Schwellen).

Modell B — Coop bekommt Lease-Payments + Profit-Share (Hybrid)

Mechanik. Land bleibt bei der Coop oder den Mitgliedern. OpCo zahlt einen garantierten Lease (typisch 80 bis 200 USD pro ha pro Jahr, je nach Land-Qualität) plus einen Profit-Share auf die Crop-Überschüsse (typisch 8 bis 15 % des Net Crop Margin nach OpEx). Die Coop trägt kein Equity-Risk — schlechtes Jahr bedeutet nur niedriger Profit-Share, aber Lease bleibt.

Wann sinnvoll? Standard-Modell für mittelgroße Programme in Sub-Sahara-Afrika, Ost-Europa (BG, RO, UA) und Mittelamerika. Auch das in Agroforst-Praxis Europa 2026 beschriebene Donau-Bulgarien-Setup nutzt diese Variante für die Heidelbeer- und Walnuss-Hauptsäulen.

Risiko. Coop-Bonds für Working-Capital sind oft schwierig, weil die Coop keinen Equity-Buffer hat. DFI-Lender fordern dann Coop-Backed Reserve Accounts (3 bis 6 Monate Lease vorgehalten in Escrow).

Modell C — Coop ist Borrower mit DFI-Senior + externer Asset-Manager

Mechanik. Die Cooperative ist selbst der formale Borrower der DFI-Senior-Tranche (FMO/DEG/Proparco). Ein externer Asset-Manager (typisch ein LU-AIFM-Hosted Vehicle mit Tied Agent-Struktur in DE oder LI) hält ein Mezzanine-Loan mit Equity-Kicker und stellt Operations-Expertise. Das ist faktisch das Camposol-Pattern in Peru: Der Operator (Camposol S.A.) ist juristisch eigenständig und nimmt selbst DFI-Geld, externe Investoren kommen über Mezzanine/PE-Layer ein.

Wann sinnvoll? Wenn die Coop kreditwürdig ist (Investment-Grade-Equivalent oder besser, gemessen an Moody's National Scale oder lokalem Rating-Pendant) und einen Track Record über fünf bis zehn Jahre mit Senior-Lendern hat. Sehr selten — typisch nur die zwei oder drei Top-Coops je Land.

Risiko. Volle Solvenz-Last auf der Coop. Bei einem Default fällt das gesamte Programm — der externe Asset-Manager hat dann nur noch Mezzanine-Recovery-Rechte.

In der Praxis sehen wir oft Hybride aus B und C: Coop ist Borrower für Working-Capital, OpCo für Capex, mit klar getrennten Kreditdokumenten und einer Sicherheiten-Struktur, die DFI-Senior-Lender absichert.


3. Cashflow-Mechanik — wer bekommt wann was?

Das ist der kritische Punkt. Drei Stakeholder, drei völlig unterschiedliche Risiko-Profile, ein gemeinsamer Cashflow-Stream über 12 bis 15 Jahre. Wer das hier verkorkst, verliert entweder die Coop, den GP oder die LPs — alle drei haben in der Vergangenheit schon Programme gekippt, weil ihre Cashflow-Erwartung nicht zur Mechanik passte.

3.1 Cooperative — festes Gehalt + Boni (Anstellung, kein Equity-Risk)

In Modell B (und überwiegend auch in C) wird die Coop wie ein angestellter Operator behandelt: Sie bekommt einen monatlichen Fixed Operating Fee plus Performance-Boni an klar definierten KPIs (Hektar bewirtschaftet, Yield pro ha, Coop-Mitglieder geschult, Klima-Schäden begrenzt). Das ist kein Equity-Cashflow — es ist eine OpEx-Position in der OpCo-P&L.

Ergebnis: Die Coop bekommt Y1 schon Cash, vom ersten operativen Tag an. Das ist entscheidend für die soziale Akzeptanz im Land — eine Coop, die fünf Jahre nichts sieht, wird politisch nicht ruhig bleiben.

3.2 LPs — Y1 bis Y12 nichts, Bullet-Payment am Holz-Ernte-Ende

Das ist die schwerste Pille für klassische Mittelstand-LPs: In einem Paulownia-Walnuss-Iris-Saffran-Programm wird der Holz-Hauptcashflow erst Y10 bis Y12 geerntet (Paulownia Polykultur-Zyklen). Bis dahin gibt es kleinere laufende Distributions aus Heidelbeeren (ab Y3), Walnuss (ab Y6), Iris-Wurzel-Lieferungen an Chanel/Robertet (ab Y3) und Saffran (ab Y2).

In der Strukturierung wird das so abgebildet: 30 % der Senior-Schuld werden Y1 bis Y8 amortisiert (aus laufenden Crops), 70 % als Bullet an Y10 bis Y12 (Holz). Equity-LPs bekommen erst nach voller Senior-Tilgung den Bullet-Anteil.

3.3 GP — zwei klar getrennte Vergütungs-Komponenten

Hier liegt der häufigste Strukturierungs-Fehler. Der GP bekommt nicht eine Carry-Zahl, sondern zwei unabhängige Vergütungs-Streams:

Komponente 1: Operatives AMF + Performance Fee aus laufenden Crop-Überschüssen - AMF (Asset Management Fee) 2 % p.a. auf Net Asset Value (oder Committed Capital in den ersten zwei Jahren) — laufend ausgezahlt, finanziert die GP-Operations. - Performance Fee 20 % über 8 % Hurdle auf alle laufenden Crop-Überschüsse (Heidelbeere, Walnuss, Iris, Saffran). Das ist ein klassischer Hedge-Fund-Stil High-Water-Mark-Mechanismus — schwache Crop-Jahre verbrauchen Performance, gute Jahre rechnen die schwachen Jahre nach.

Komponente 2: GP-Carry am Holz-Bullet 80/20 - Erst nach voller Rückzahlung der Total Committed Capital + 8 % preferred return an LPs gibt es einen Catch-Up für den GP, danach 80/20 Split (LPs/GP) auf den Rest des Holz-Bullets.

Warum getrennt? Weil sonst ein operativ erfolgreicher GP, der aber zufällig in einem schlechten Holz-Klima-Jahrzehnt unterwegs ist, am Ende nichts bekommt — und vice versa. Die Trennung incentiviert beide Säulen unabhängig.

All-or-Nothing für den GP in schwachen Jahren. Wichtig: In Jahren, in denen die Crop-Überschüsse die 8-%-Hurdle nicht erreichen, verzichtet der GP auf die Performance Fee. Die AMF läuft trotzdem (sonst kann er die Operations nicht finanzieren), aber die Performance-Komponente ist all-or-nothing pro Jahr, mit einem Loss-Carryforward über die Laufzeit.

Hurdle-Stacking unproblematisch wegen Bullet. Manche LP-Counsel fürchten, dass die Hurdle "stackt" (also über die Jahre kumulativ 8 % auf 8 % auf 8 % berechnet wird, statt 8 % p.a. einfach). In Bullet-Strukturen ist das kein Problem, weil die Hurdle erst am Bullet-Datum geprüft wird — vorher gibt es keine Distribution-Pflicht, die getriggert würde. Anders als in Quartalsausschüttungs-Funds.

Catch-Up am Holz-Bullet. Der Catch-Up-Mechanismus sorgt dafür, dass nach Erreichen der 8-%-Hurdle der GP zunächst 100 % der nächsten Distributionen bekommt, bis er seinen 20-%-Anteil auf den gesamten Cashflow oberhalb der Hurdle erreicht hat. Dann wechselt der Split auf 80/20.

In der Mathematik einer 12-Jahres-Bullet-Struktur ist das ein standardisierter LPA-Mechanismus — Tier-1-AIF-Anwälte (siehe Abschnitt 8) haben das in zwei bis drei Wochen drafted, vorausgesetzt, der Term-Sheet ist sauber.


4. Präzedenzen — was funktioniert real, was ist Marketing?

Drei Beispiele, die jeder Strukturierer kennen sollte.

4.1 REVERTE Itaú BBA — BRL 1,4 Mrd, März 2025 (Cerrado-Pasture-Restoration)

Der Maßstab-Deal für Cooperative-Strukturen in Brasilien: REVERTE ist eine Initiative von Itaú BBA, Syngenta und The Nature Conservancy (TNC), die degradierte Pasture-Flächen im Cerrado in produktive Soja/Mais-Rotation zurückführt. Im März 2025 wurden BRL 1,4 Mrd in einer ersten Tranche an Cooperative-Strukturen ausgereicht, mit Performance-Linked Pricing (Zinsabschläge bei verifizierten Restoration-KPIs) und einem Mix aus Senior-Bank-Debt (Itaú) und TNC-Verifikation auf Boden-Carbon und Biodiversität. Die Coops sind formal Borrower, der Asset-Manager (eine Itaú-BBA-Tochter) hält den operativen Vertrag.

Quelle (zwei unabhängige Belege gepflichtet): (1) Itaú BBA Press Release März 2025 zur REVERTE-Tranche; (2) TNC Brazil Annual Report 2025, Kapitel "Cerrado Restoration Finance". Lesenswert für jeden, der ein vergleichbares Vehicle aufbaut.

4.2 Camposol Peru — Cooperative-Pattern für Premium-Crops

Camposol S.A. in Peru ist seit 2007 das Lehrbuchbeispiel für ein börsennotiertes Agri-Unternehmen, das Cooperative-ähnliche Out-Grower-Strukturen mit Senior-DFI-Lending (IFC, IDB Invest) und Mezzanine-PE-Equity (Carlyle in den 2010ern) kombiniert. Das Camposol-Pattern: Operator hat eigene Kernfläche (Heidelbeere, Avocado, Mango) plus Out-Grower-Verträge mit lokalen Coops (Asociación de Productores), DFI-Senior auf Operator-Bilanz, Equity bei börsennotiertem Holding (Lima Stock Exchange). Wer in PE oder AR strukturiert, schaut sich die Impact-Investing-Strukturen in Europa 2026 an und vergleicht sie eins-zu-eins mit dem Camposol-Pattern — die Lehren sind übertragbar, auch wenn die Jurisdiktion anders ist.

Quellen: (1) IFC Camposol Investment Disclosure Documents (mehrere Tranchen 2014, 2018, 2022); (2) Camposol Annual Reports 2020–2024 (öffentlich, börsennotierte Anleihen).

4.3 Brazilian Soy Coops — historische Lehren

Die großen brasilianischen Soja-Cooperativen (COAMO, Coopercitrus, COCAMAR) sind seit den 1980er Jahren wichtigste Akteure in regenerativen Agri-Strukturen. Sie zeigen historisch beide Seiten: erfolgreiche Skalierung (COAMO heute > USD 7 Mrd Umsatz), aber auch dramatische Defaults in der 1990er-Krise (mehrere mittlere Coops sind gegen Itaú und Banco do Brasil geplatzt). Lehre: Coop-Solvenz ist kein Naturgesetz — Due Diligence auf Coop-Bilanz, Mitgliederstruktur und politische Bindung ist Pflicht.


5. Vertragsdokumentation — was wirklich gebraucht wird

In einem typischen LU-AIFM-Hosted Vehicle mit lokaler Coop-Anbindung sind folgende sechs Kerndokumente unverzichtbar:

  1. LPA (Limited Partnership Agreement) des Vehicles. Hier liegt die ganze Carry-Mechanik: Hurdle, Catch-Up, AMF, Performance Fee, Bullet-Mechanik, Default-Klauseln, Key-Person-Provisions. Standard-Länge in der Praxis: 80 bis 140 Seiten, mit drei bis fünf Annexes.
  2. Side Letters für Anchor-LPs. DFIs (FMO, DEG, Proparco, IFC, BII) verlangen eigene Reporting-Klauseln, ESG-Compliance, Sanctions-Klauseln, MEL-Frameworks — das geht nicht in den Haupt-LPA, sondern in Side Letter. Most-Favored-Nation-Klauseln steuern, dass keine LP-Klasse besser gestellt wird.
  3. Coop Service Agreement (oder MOU bei C-Modellen). Regelt Fixed Operating Fee, Performance-Boni-KPIs, Termination-Rights, Audit-Rechte, Force-Majeure.
  4. Land-Lease-Agreement zwischen Coop und OpCo. Hier sind die Land-Tenure-Risiken juristisch fixiert — Long-Lease 30 bis 50 Jahre, mit klaren Renewal-Klauseln und Quiet-Enjoyment.
  5. Off-take-Vorverträge als Pre-Equity-Surrogat. Das ist ein oft übersehener Mechanismus: Givaudan, dsm-firmenich, Robertet, Symrise, IFF und große Bio-Frucht-Aufkäufer (DE-Bio-Ketten wie Alnatura, Edeka Bio, dm Bio) unterzeichnen Pre-Plant Forward Contracts über fünf bis zehn Jahre. Diese funktionieren bilanziell wie Pre-Equity — sie reduzieren das Off-take-Risiko, was wiederum die Senior-DFI-Tranche pricet. Bei Iris pallida ist ein Pre-Plant-Vertrag mit Chanel/Robertet strukturell unverzichtbar, sonst gibt's kein DFI-Geld.
  6. Sicherheiten-Pakete (Pledges, Mortgages, Crop Liens, Account Charges). Hier prüft der DFI-Lender mit eigenem Anwalt (Tier-1 lokaler Counsel), ob Senior-Recovery im Default-Fall wirklich vollziehbar ist.

6. Steuerstruktur — zwei Routen

Route 1: Luxemburg AIFM-Hosted (ELTIF 2.0 oder RAIF) — Standard für EU-LPs

Über einen externen AIFM (Innpact, Carne, Alter Domus oder Universal-Investment Luxembourg) wird ein ELTIF 2.0 oder RAIF (Reserved Alternative Investment Fund) aufgesetzt. Setup-Kosten typischerweise EUR 100.000 bis 200.000 plus laufende Servicing-Kosten EUR 150.000 bis 350.000 pro Jahr. Vorteil: EU-Pass für Vertrieb an semi-professional und professional Investors, hohe DFI-Akzeptanz, etabliertes Reporting-Framework. ELTIF 2.0 (gültig seit Januar 2024 nach EU-Verordnung 2023/606) ermöglicht zudem Retail-Vertrieb mit deutlich niedrigeren Hürden als die alte ELTIF-Verordnung — relevant für Family-Offices und Mittelstand-Anleger ab Tickets von EUR 10.000.

Route 2: Lokale Spezial-Vehikel (BR-FII, AR-Trust, andere)

In Brasilien ist der FII (Fundo de Investimento Imobiliário) oder FIAGRO (Fundo de Investimento nas Cadeias Produtivas Agroindustriais) seit 2021 (Lei 14.130/2021) das Standard-Vehikel für Agri-Strukturen — steuertransparent, börsennotiert möglich, lokale LPs willkommen. In Argentinien wird typischerweise ein Fideicomiso Financiero genutzt (steuertransparent, regulatory durch CNV).

In der Praxis sehen wir Doppelstrukturen: LU-AIFM hält Equity an einer lokalen FIAGRO/Fideicomiso/PE-Coop-OpCo. So bekommen EU-LPs die regulatorische Heimat, die sie brauchen, und lokale Tax-Effizienz bleibt erhalten.


7. Risikomanagement — was wirklich kippen kann

Sechs Risiken, die jedes IC-Memo abhandeln muss:

a) Coop-Solvenz. Historische Defaults sind Tatsache. Due Diligence: Drei Jahre Coop-Bilanzen, Mitgliederstruktur, politische Bindung, Audit-Track-Record. Kill-Criterion, wenn nicht erfüllt.

b) Politische Risiken. Land-Reform (Argentinien 2009, Bolivien 2006, Venezuela 2001), Export-Kontrollen, Devisenbeschränkungen. Mitigation: Political-Risk-Insurance über MIGA, Atradius DSB, Euler Hermes, Berne Union-Mitglieder.

c) Land-Reform-Risiken. Spezifischer Subset von (b). Long-Lease über 30 bis 50 Jahre registriert in lokalem Grundbuch, mit Quiet-Enjoyment-Klausel, Pledge zugunsten Senior-Lender.

d) Klima-Disaster Force-Majeure. Dürre, Frost, Hagel, Pest. Mitigation: Parametric Climate Insurance (Swiss Re, Munich Re, World Bank GRiF), Force-Majeure-Klauseln im Coop-Service-Agreement, Reserve-Accounts.

e) Off-take-Risiko. Wenn ein Pre-Plant-Aufkäufer (Chanel, Robertet) seinen Vertrag bricht. Mitigation: Diversifizierter Off-take über zwei bis drei Aufkäufer pro Crop, Trade-Credit-Insurance (Atradius, Coface), Schiedsklauseln nach ICC oder LCIA.

f) Currency-Risk. Loan und OpEx oft lokal, Revenues teilweise in USD/EUR (Premium-Crops, Carbon-Credits). Hedging-Strategien über lokale Banken oder TCX (The Currency Exchange Fund) für Soft-Currency-Hedges. In der Praxis ist Hedging für Soft Currencies (BRL, ARS, BGN, RON, UAH) nur mit signifikanten Kosten verfügbar — das pricet sich in die Senior-Tranche ein.


8. Wer kann das in der EU strukturieren?

Vier Tier-1-Kanzleien, die regelmäßig solche Vehikel bauen — ohne Reihenfolge nach Qualität, sondern nach Fokus:

Alternativ in der zweiten Reihe (oft schneller und günstiger): Loyens & Loeff (LU/NL) für klassische Fund-Strukturierung, Arendt & Medernach (LU) für AIFM-Setup, Maples Group (LU/Cayman) für Cross-Border-Vehikel.

Praxis-Tipp: Tier-1-Kanzlei für LPA und steuerliche Hauptgutachten, Mid-Tier für operative Coop-Verträge im lokalen Recht. Die Tier-1-Stunden sind teuer — sie nur dort einsetzen, wo regulatorische Hebelwirkung am größten ist.


9. Why-it-Matters für Mittelstand-Investoren

Drei pragmatische Punkte:

Min-Ticket. ELTIF 2.0 ermöglicht Tickets ab EUR 10.000 für Retail, in der Praxis sind die meisten Vehikel auf EUR 100.000 bis 250.000 Min-Ticket für semi-professional Investors ausgelegt. Family-Offices kommen typisch ab EUR 1 bis 5 Mio ein.

Lock-Up. Volle 12 bis 15 Jahre Lock-Up, mit eingeschränkter Sekundärmarkt-Liquidität. Manche ELTIF-2.0-Strukturen bieten rolling secondary windows alle zwei bis drei Jahre, mit NAV-basiertem Pricing und 5 % Discount für Verkäufer.

Reporting. Quartalsweise NAV-Reports, jährlicher ESG-/Impact-Report (typisch nach IRIS+ oder GRI), DFI-spezifische MEL-Reports für Anchor-LPs. Mittelstand-Anleger bekommen typisch eine vereinfachte Halbjahres-Übersicht plus volle Audit-Reports zum Jahresende.


10. FAQ + Glossar

Was ist der Unterschied zwischen LP und GP? LP (Limited Partner) ist der Kapitalgeber mit beschränkter Haftung, typisch DFI, Family-Office, Pension-Fund. GP (General Partner) ist der Manager mit unbeschränkter Haftung im Vehicle, hält die Investmententscheidung und bekommt die Carry. In Praxis ist GP eine eigene SPV mit beschränkter Haftung, die den Manager-Vertrag zum AIFM hat.

Was ist eine AMF? AMF (Asset Management Fee) — die laufende Management-Gebühr, typisch 1,5 bis 2,5 % p.a. auf NAV oder Committed Capital. Finanziert die GP-Operations (Personal, Reisen, Reporting).

Was ist Carry? Carry (Carried Interest) — der prozentuale Anteil am Profit über einer Hurdle, der dem GP zufließt. Standard 20 % über 8 % Hurdle in Real-Asset-Funds.

Was ist eine Hurdle? Hurdle (Preferred Return) — die Mindestrendite, die LPs bekommen, bevor der GP überhaupt Carry sieht. Typisch 6 bis 8 %.

Was ist Catch-Up? Catch-Up — der Mechanismus, der nach Erreichen der Hurdle 100 % der nächsten Distributionen an den GP gibt, bis er seinen 20-%-Anteil über den gesamten Cashflow oberhalb der Hurdle erreicht hat.

Was ist In-Kind-Equity? Sacheinlage von Land, Crops oder anderen Vermögenswerten gegen Common-Stock-Anteile, statt Cash-Einbringung. Steuerlich oft steuerneutral möglich, vorausgesetzt die Bewertung ist Tier-1-zertifiziert.

Was ist eine Cooperative? Im Agri-Kontext: eine rechtlich eigenständige Mitglieder-Organisation (Statuten variieren je Land), die landwirtschaftliche Produktion koordiniert, Inputs gemeinsam einkauft, Ernten gemeinsam vermarktet. Oft große Bilanzen (BR COAMO > USD 7 Mrd), oft mit eigenen Banken oder Kredit-Cooperativen.


Quellen (12)

  1. Itaú BBA Press Release — REVERTE Cerrado Pasture Restoration Tranche, März 2025.
  2. The Nature Conservancy Brazil Annual Report 2025 — Kapitel "Cerrado Restoration Finance".
  3. IFC Camposol Investment Disclosure Documents — Tranchen 2014, 2018, 2022 (öffentlich auf ifc.org).
  4. Camposol Annual Reports 2020–2024 — börsennotierte Anleihen, BVL Lima.
  5. EU-Verordnung 2023/606 — ELTIF 2.0, in Kraft seit 10. Januar 2024 (eur-lex.europa.eu).
  6. EU-AIFMD II — in Kraft seit 16. April 2026, Anpassungen für Loan-Originating Funds.
  7. Loyens & Loeff Investment Funds Newsletter 2024–2025 — diverse Beiträge zu RAIF und ELTIF 2.0.
  8. Brasilien Lei 14.130/2021 — FIAGRO Investment Vehicle (planalto.gov.br).
  9. Argentinien Ley 26.737 — Land-Tenure-Restrictions für ausländische Investoren (infoleg.gob.ar).
  10. MIGA Political Risk Insurance Annual Report 2024 — Brazil-Banco-do-Brasil-Präzedenz USD 1,2 Mrd September 2024.
  11. TCX Annual Report 2024 — Soft-Currency-Hedging Volumes für DFI-Strukturen.
  12. IRIS+ Standards (impactfrontiers.org) und GRI Sector Standards Agriculture (GRI 13) — Reporting-Frameworks für Coop-Strukturen.

Über den Autor

Dirk Röthig (Dirk Roethig) ist Volljurist (zwei Staatsexamina), Mittelstand-Strukturierer und seit über 25 Jahren in Corporate-Banking, M&A und Real-Asset-Strukturierung tätig. Er hat als Direktor bei IKB Deutsche Industriebank, DEG, Baader Bank und Prosperise Capital LLP (UK FRN 792154) Strukturierungen für deutsche und internationale Mittelstandsmandanten begleitet. Heute fokussiert er auf regenerative Agri-Programme und Cooperative-basierte Real-Asset-Vehicles für institutionelle und Family-Office-Investoren.

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