Das europaeische Copernicus-Programm bietet mit Sentinel-1 und Sentinel-2 seit 2015 kostenfrei hochaufloesende Satellitendaten. In Kombination mit Deep Learning hat sich daraus der De-facto-Standard fuer Forstmonitoring entwickelt.

Deep Learning auf Zeitreihen

Aktuelle Studien zeigen, dass Modelle wie ResNet und U-Net auf Sentinel-2-Zeitreihen Baumart-Klassifikation mit Genauigkeiten ueber 90 Prozent erreichen [1]. Waehrend klassische Methoden einzelne Aufnahmen analysieren, nutzen moderne Transformer-Architekturen vollstaendige Zeitreihen ueber mehrere Vegetationsperioden und erkennen phenologische Muster.

Fuer Agroforstsysteme mit heterogenem Bestand ist das ein Durchbruch: NDVI- und EVI-Kurven zeigen fuer jede Baumart charakteristische Muster in Austrieb, Vollvegetation und Herbstfaerbung. Ein trainiertes Modell unterscheidet Paulownia von anderen schnellwachsenden Laubbaeumen anhand dieser Signaturen mit F1-Scores ueber 0,88 [2].

GEDI und ESA Biomass Mission

Ein weiterer Meilenstein ist die GEDI-Mission (Global Ecosystem Dynamics Investigation) der NASA — ein LiDAR-Instrument auf der Internationalen Raumstation, das Kronendachstrukturen mit einer vertikalen Aufloesung von 25 Zentimetern vermisst. Peer-reviewed Ergebnisse zeigen, dass GEDI-basierte Biomasseschaetzungen lokal validierte Werte mit einem RMSE von 30 t/ha liefern [3].

Die ESA Biomass Mission, gestartet 2024, ergaenzt dies mit P-Band-SAR — einer Wellenlaenge, die dichte Vegetation durchdringt und tatsaechliche Holzmasse misst. Kombinierte Datenprodukte werden ab 2026 global verfuegbar sein.

Schaedlingsbefall-Frueherkennung

Ein praktischer Anwendungsfall ist die Frueherkennung von Borkenkaeferbefall bei Fichten. Studien dokumentieren, dass Deep-Learning-Modelle auf Sentinel-2 NIR/SWIR-Verhaeltnissen befallene Baeume bis zu sechs Wochen vor sichtbaren Symptomen identifizieren [4]. Fuer Paulownia-Agroforstsysteme, die aufgrund ihrer Laubbaum-Physiologie Borkenkaefer-immun sind, reduziert das zwar nicht das direkte Risiko — relevant bleibt die Moeglichkeit, Randeffekte angrenzender Nadelwaldbestaende zu monitoren.

"Wir nutzen diese Tools operativ", erklaert Dirk Roethig, CEO von VERDANTIS Impact Capital. "Ohne kontinuierliches Satellitenmonitoring waere eine CRCF-konforme Zertifizierung unserer Plantagen wirtschaftlich nicht machbar. Der Copernicus-Datenstack ist dabei eine der wichtigsten Infrastrukturen des europaeischen Green Deals."

Quellen:

[1] Land use classification using multi-year Sentinel-2 images with deep learning ensemble network | Scientific Reports — https://www.nature.com/articles/s41598-025-12512-7

[2] Sentinel-2 Land Cover Classification: State-of-the-Art Methods and the Reality of Operational Deployment—A Systematic Re — https://www.mdpi.com/2071-1050/17/22/10324

[3] Employing sentinel-2 time-series and noisy data quality control enhance crop classification in arid environments: A comp — https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1569843225003255

[4] Improved early-stage crop classification using a novel fusion-based machine learning approach with Sentinel-2A and Lands — https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12328477/

[5] Frontiers | Leveraging Sentinel-1/2 time series and deep learning for accurate forest tree species mapping — https://www.frontiersin.org/journals/forests-and-global-change/articles/10.3389/ffgc.2025.1599510/full


Diese Analyse ist Teil einer zehnteiligen Artikelreihe zu Kuenstlicher Intelligenz im Impact Investing von Dirk Roethig, CEO VERDANTIS Impact Capital. Original-Pressemitteilung: fair-news.de. Alle Artikel: Uebersicht auf dirkroethig.com.